Ausstellung in der Goldschmiedewerkstatt “Metallum” in Moers bei Antje Witzler, Mai 1992.

Strand(gut)Stücke
Die leichte Kunst des Peter Maschke

Wer zweierlei schätzt, den Zufall und die Leichtigkeit des Seins, ist zur Auseinandersetzung mit den Meer- und Strand(gut)stücken Peter Maschkes eingeladen. Die Objekte, die er in den Dienst seiner behutsamen Kunst stellt, sind ihm auf Strandspaziergängen zugefallen. Müll für viele, für ihn aber Überbleibsel, Relikte einer stummen Vergangenheit, Spuren, die er mit eigentümlicher Zärtlichkeit zum Sprechen bringt, indem er sie neu belebt, sie neu definiert, ihnen Namen und Rollen in einem von ihm erfundenen Spiel zuweist. Stock und Stein, Tau und Feder, Dose und Puppe beginnen für ihn (und dann für uns: die Beobachter) ein magisches Eigenleben. Sie sprechen nicht laut, aber eindringlich, und das nicht nur in einem bloßen Raum der Phantasie, der Beliebigkeit, sondern als Bestandteile eines ‚kalkulierten’ Mythos.
Was frappiert, ist das Kalkül, das Formgefühl, der Gleichgewichtssinn dieses Künstlers. Die Dinge, die ihm zufallen, verwandelt er mit geringen Eingriffen, die dennoch tief schneiden. Das Holz bleibt Holz, Metall bleibt Metall, aber alle Substanzen, die er verändert, verlieren auf eine schwer nachvollziehbare Weise ihr Gewicht. Sie stehen nicht, sie scheinen, auch wenn sie stehen, zu schweben. Sie hängen nicht, sie scheinen, auch wenn sie hängen, zu fliegen. Peter Maschke greift, da ist kein Zweifel, auf archaische Formen zurück, und wo nicht auf archaische, dort auf insulares Formwissen, auf ein sicheres Gefühl für Proportion, das seine Objekte so stabil wie dynamisch erscheinen lässt: leicht beweglich in aller Stabilität, zwingend in der Formfindung und doch anregend für das freie Spiel der Imagination des Betrachters. Da wird nichts festgelegt, da sind Spiel-Räume im genauen Sinne, da ist vor allem Freiheit.

Es mag kein Zufall sein, dass Peter Maschke notorischer Weltenbummler ist. Die Zeichen, die er in den letzten Jahren geschaffen hat, drücken das aus: Sie holen die Ferne (die auch eine der Zeit ist) in eine Nähe, die sie fern erscheinen lässt: Dinge am Ort, mit denen man reisen könnte: in die Leichtigkeit, die sich nirgends findet – es sei denn: in dieser stillen, unaufwendigen (und in einem unpreziösen Sinne: tröstlichen) Kunst.

    Quelle:
    Prof. Dr. Peter Fuchs, Ausstellung in Moers
Strand(gut)stücke. Spezies: Cabeza Quadrada, 1992Strand(gut)stücke. Kennen wir uns? 1992Strand(gut)stücke. Versuchung, 1992Strand(gut)stücke. Torso weiblich, 1992Strand(gut)stücke. Geschichte der Leidenschaften, 1992Strand(gut)stücke. Der Feuerwehrmann, 1992Strand(gut)stücke. Gelockt, bewellt, benast und befedert, 1992Strand(gut)stücke. Beobachter, 1992Strand(gut)stücke. Benidorm gegen Nachmittag um 16:30 Uhr, 1992Strand(gut)stücke. Abwärts mit Grüßen, 1992Strand(gut)stücke. Wo liegt die Tube mit der Sonnencreme? 1992Strand(gut)stücke. Vor dem Sprung mit höchster Konzentration, 1992